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Montag, 17. Dezember 2007

Klar, die Amis sind schuld!

am Klimawandel im Allgemeinen und am Stillstand bei der Bali-Konferenz im Besonderen. Und wenn nicht die Amis, dann die Politiker, die immer nur herum schwafeln. Wir Normalmenschen sind da ja schon viel weiter. Im Physikunterricht wird heute schon jedem Kind beigebracht, wie viel verschwenderischer eine normale Glühlampe gegenüber einer Energiesparlampe ist.
Just in demselben Physikraum, wo so modern und methodenreich das (schlechte) Klimagewissen aufgebaut wird, liefen heute 2 Stunden nach Schulschluss alle Heizkörper auch Hochtouren - und das Fenster stand sperrangelweit auf! Aber egal, der Nachthausmeister wird es schon richten - irgendwann.
Vielleicht sollten wir ja die Nachthausmeister 2009 nach Kopenhagen schicken, dann wird's vielleicht noch was mit dem Klimaschutz.

Montag, 12. November 2007

Fraktionsdisziplin

Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages sind nur ihrem Gewissen verpflichtet. Also sollte man annehmen, dass die 366 Abgeordneten, die am Freitag für das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung gestimmt haben, dies mit ihrem Gewissen vereinbaren konnten.
Weit gefehlt: 26 SPD Abgeordnete haben zu Protokoll gegeben (Anlage 4), dass sie das eben gerade nicht könnten, sondern starke Bedenken ob der Verfassungskonformität des Gesetzes hätten. Sie würden aber doch für das Gesetz stimmen, da sie darauf vertrauten, das Verfassungsgericht werde es schon wieder kippen.
Gibt es einen Weg, sich wirksamer selbst zu entmündigen? Und damit effektiv 3,5 Millionen Bürger, deren Vertreter die Abgeordneten ja schließlich sind?
Andererseits betätigt das nur den Trend, den auch all diese "Anti-Terror"-Gesetze markieren: wo es schon keine mündigen Abgeordneten gibt, da muss der mündige Bürger erst recht unerwünscht sein.

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Talkgast von Außerirdischen entführt


Das Erste wollte mal wieder zeigen, wie viel Schindluder man mit Rundfunkgebühren treiben kann und so gab es gestern bei Maischberger das Thema "Ufos, Engel, Außerirdische - sind wir nicht allein?". Die Talk-Sendung schien sich also endlich auf ihre Essenz reduzieren zu wollen: absolute Belanglosigkeit. Davon zeugten auch die angekündigten Gäste, hauptsächlich Ufologen und Esoteriker vom Schlage Nina Hagen. Doch halt, auch Joachim Blueblood … äh Bublath war geladen, um die seriöse Wissenschaft zu vertreten. Womöglich würden dann ja doch Dinge wie die Green-Bank-Formel und SETI zur Spreche kommen. DFB-Pokalspiel-Folgeerscheinungen haben mich aber letzten Endes davon abgehalten bzw. davor bewahrt, mir diesen Zirkus anzusehen.
Im Rückblick gesehen doch schade, denn so habe ich einen weiteren großen Moment der Talk-Show-Geschichte verpasst: Auch Bublath kam sich offenbar vor wie im Zirkus und hat die UFO-Clowns irgendwann sich selbst überlassen und das Studio verlassen. SZ online sieht darin einen heiklen Schritt und hätte Bublath lieber weiter als still schmunzelnden Antipoden zu Nina Hagen gesehen, da diese seinen Abgang als Triumph habe verbuchen können.
Ganz im Gegenteil, sage ich: so ist unmissverständlich klar geworden, dass Ufologie, Esoterik & Co. und Naturwissenschaft einfach nicht in derselben Liga spielen.
Der schwarze Peter liegt eindeutig bei den UFO-Heinis: sie sehnen sich nach Anerkennung, gebärden sich pseudo-wissenschaftlich, wenn dann aber mal jemand sagt "OK, wenn ihr Anerkennung wollt, dann müsst ihr euch auch wissenschaftlicher Überprüfung stellen" dann sind sie persönlich beleidigt. Und wenn sie sich doch auf die ernsthafte Überprüfung einlassen und die ganzen pseudowissenschaftlichen Theorien nicht standhalten, dann werden persönliche Erlebnisse und Einzelbeobachtungen als Killer-Argument ausgepackt. Hier trennen sich die Wege von Ufologen und Wissenschaft aber endgültig: wenn jemand von einem UFO entführt wird, dann mag das - wie eine Heiligenerscheinung - an Außerirdischen, an Gott, oder an einem zu dicken Joint liegen. So oder so entzieht sich solch ein Erlebnis aber der Überprüfung durch Andere, geschweige denn durch kontrollierte Experimente. Und solange das so bleibt, hat das nichts mit Wissenschaft zu tun - es ist Religion. Also sollten die Ufo-Esoteriker sich Kirchen bauen und zu Talkrunden zum interreligiösen Dialog eingeladen werden.

Natürlich hat Nina Hagen gestern gesiegt, aber solche Leute siegen immer, weil sie sich ihre eigenen Spielregeln machen. Aber dieser Sieg ist so effektiv wie das Vorgehen der Bürger von Springfield, nachdem ihre Stadt knapp einem Meteoriteneinschlag entgangen ist: "Lasst uns dafür sorgen, dass so etwas nie wieder passiert. Brennen wir das Observatorium nieder!"
Da kann ich mich nur anschließen: Lasst uns dafür sorgen, dass so ein Mist nie mehr gesendet wird. Schmeißen wir die Fernseher aus dem Fenster!

Freitag, 21. September 2007

Grundkurs Physik für Spiegel-Redakteure

Wie aktuell in SpOn berichtet wird, hat Großbritannien zu viel Plutonium. Was an sich noch nicht so interessant wäre, könnte man daraus nicht tausende von Atombomben bauen - und schon ist es ein Thema für dieses Blog. Und woher haben die Briten all das Plutonium? SpOn weiß es:


Plutonium entsteht, wenn Uran wiederaufbereitet wird, um dieses wieder nutzbar zu machen.

Aber warum, liebe Redaktion, will dann jeder aufstrebende Schurkenstaat einen Atomreaktor haben und nicht bloß eine Wiederaufbereitungsanlage?
Der Grund ist einfach: Plutonium entsteht nicht bei der Wiederaufbereitung, sondern im Reaktor aus Uran 238 durch Neutroneneinfang. Die Wiederaufbereitung trennt bloß die verschiedenen Elemente aus den alten Brennstäben heraus, damit man das verbliebene Uran erneut anreichern und in den Reaktor stecken kann. Natürlich bleiben auch alle Spaltprodukte fein säuberlich sortiert übrig, also auch Plutonium. Das ist aber bei normalem Reaktorbetrieb nicht mal sofort waffentauglich (das Isotopen-Verhältnis ist ungünstig).
Die einfache Rechnung 100t/6 kg pro Bombe = 16700 Bomben mag also für eine knackige Überschrift reichen. Der islamistische Terrorist, der mal eben in das englische Plutoniumlager spaziert, hat davon aber nicht viel.
Es sei denn es ist der Reiter der kleinen schäubleschen Apokalypse, denn für eine Dirty Bomb ist das Isotopenverhälnis recht egal. Aber warum in die Ferne schweifen: in Gorleben gibt's eine große Lagerhalle voller Betonbehälter mit hochradioaktivem Mist.
Und was ist überhaupt mit den Franzosen? Die nutzen die Kernenergie viel ausgiebiger. Wo ist deren Plutonium? Und was ist mit den Banlieues voller potentieller Gotteskrieger? Und mit den offenen Grenzen dank Schengen? Sollten wir da nicht viel mehr Angst haben?
Also, liebe Spiegel-Redaktion, ihr habt nicht nur das mit der Kernphysik vergeigt, sondern auch die Gefahr an der falschen Stelle ausgemacht. Schämt euch was!

Samstag, 8. September 2007

Sie sind alle gegen uns!

Die Welt ist schlecht und überall lauern Verschwörungen, die selbst Bond-Bösewichte blass aussehen lassen! Gut, dass es manche Menschen gibt, die zwischen den Zeilen lesen können und uns dann die Wahrheit im Internet präsentieren.
Das ist ja an sich nichts neues, und die folgende Wahrheit ist auch schon etwas angestaubt, aber ich habe trotzdem nicht schlecht gestaunt, als ich darüber stolperte: der Tsunami, der Ende 2004 Südost-Asien verwüstet hat, ist das größte Kriegsverbrechen der Geschichte!
Dieser These hat Joe Vialls aus einem beschaulichen Vorort von Perth, Australien, gleich zwei ellenlange Artikel (1. und 2.) auf seiner Wahrheitsenthüllungswebseite gewidmet – und offenbar so beeindruckend gewirkt, dass jemand davon auch noch eine deutsche Übersetzung veröffentlicht hat.

Leider muss ich als Lakai des Systems (in der Matrix würden sie mich Agent nennen) hier den Spielverderber machen, denn ein paar Ungereimtheiten sind mir in dieser unerschütterlichen Wahrheit doch aufgefallen:
  • Die Stärke des Erdbebens: Dass die Stärke des Erdbebens zunächst offiziell mit 8,0 angegeben wurde und dann auf 9,3 korrigiert wurde, wird hier als Indiz gesehen, dass es etwas zu vertuschen gab. Leider ist es aber nun mal so, dass ein Seismograph keine absolute Stärke angibt, sondern einen logarithmischen Ausschlag am Ort der Messung. Dieser muss dann in Beziehung zur Entfernung zum Erdbebenherd gesetzt werden um die absolute Stärke zu erhalten. Diese Beziehungen wurden aber bei der Einführung der Richter-Skala nicht für extrem starke Erdbeben geeicht, so dass sich bei Ausnahmebeben die Berechnung der Stärke besonders schwierig gestaltet. Generell werden die Werte genauer, je mehr Messungen von unterschiedlichen Messstationen einfließen, und das dauert nun mal eine Zeit, bis die aus aller Welt zusammengetragen werden.

  • Joe betont immer wieder, er wolle nicht zu wissenschaftlich werden, um den Leser nicht zu langweilen. Ist wohl auch besser so, denn wenn er "wissenschaftlich" wird kann das ganz schön in die Hose gehen. So behauptet Joe, das Erdbeben immer von einer elektromagnetischen Welle zwischen 0,5 und 12 Hz ausgelöst werden, wenn diese die Resonanzfrequenz des Gesteins treffen. Nun, wie können da mechanische Schwingungen entstehen?
    1. Lorentz-Kraft: dazu bräuchte man bewegte Ladungen, also stromführende Schichten in der Erdkruste - die gegen das umgebende Gestein auch isoliert sein müssten.
    2. Piezoeffekt: der ist aber nur bei ganz bestimmten Kristallen wirklich ausgeprägt.
    3. Influenz: Im Gestein gibt es leitende Schichten wo sich die Ladungsträger unter Einfluß des Feldes so verschieben, daß Teile des Meeresbodens stärker angezogen werden als andere. Nach außen müssen diese Schichten natürlich isoliert sein.
    4. Magnetismus: Es gibt magnetisierte Schichten in der Kruste, die vom Magnetfeld bewegt werden.
    Also, unmöglich ist das zwar nicht, aber die einzelnen Effekte sind in der Erdkruste - wenn überhaupt vorhanden - so schwach ausgeprägt, das man schon unvorstellbare Feldstärken bräuchte, um ganze Kontinentalplatten zu bewegen.
    ...von mechanischen Spannungen hat der Herr wohl noch nichts gehört.
  • Es wird lang und breit unter Exkurs zum Dambusters-Squadron erzählt, welchen massiven, Erdbebenerzeugenden Effekt eine Atombombe am Boden eines Tiefseegrabens haben kann – nur um dann zu sagen, dass die Bombe diesen Effekt gar nicht hatte. Denn die seismographische Signatur sei genauso gewesen wie die eines unterirdischen Atomtests (woher weiß er das?), also gab es nur eine Atomexplosion und kein Erbeben.
  • Es war also kein Erdbeben, sondern eine riesige Atomexplosion, die sich vor Sumatra ereignete. Die Stärke des "Bebens" von 9,3 auf der Richterskala wird von Vialls dabei nicht in Zweifel gezogen. Na dann rechnen wir mal:
    Die Magnitude des Bebens war 9,3, das entspricht einer Energie von 1,34x1020 J. Ein Kilotonne TNT entspricht 4,184x1012 J. Wir reden also von einem Äquivalent von 3,2x109 kt bzw 32.000 Megatonnen TNT. Die Amerikaner werden aber verdächtigt, den Tsunami mit einem W-53 Sprengkopf von 9 MT Sprengkraft ausgelöst zu haben. Diese Bombe ist aber um einen Faktor 3.560 zu schwach für den Effekt, bzw. würde bestenfalls ein Beben der Magnitude 6,5 simuliert haben.
Also haben vielleicht doch nicht die Amerikaner alle Moslems am indischen Ozean umbringen wollen?
Der Tag ist jedenfalls gerettet, dank sei … dem Dreisatz.

Dienstag, 10. Juli 2007

Geistiges Eigentum

Auf jeder teuer gekauften DVD wird man erstmal als Raubkopierer beschimpft, Kinokarten kosten über 7 Euro - aber all das nimmt man gerne in Kauf um an der unermüdlich sprudelnden Kreativität der großen Filmstudios teilzuhaben, die uns ständig neue, noch nie dagewesene Filmerlebnisse bescheren, wie ein Blick ins aktuelle Kino-Programm zeigt:
  • Hostel 2
  • Fluch der Karibik 3
  • Shrek der Dritte
  • Stirb Langsam 4.0
  • Harry Potter 5
  • Ocean's 13
Und schon sieht man sich als ahnungsloser Kinogänger mit einem juristischen Dilemma konfrontiert: Denn "das Urheberrecht schützt geistige und künstlerische Leistungen" (WP) - greift es bei Abwesenheit solcher Leistungen dann überhaupt noch?

Mittwoch, 13. Juni 2007

Tornados gegen Werteverfall

Über den De-Facto-Inlandseinsatz der Bundeswehr beim G8-Gipfel und dessen verfassungsrechtliche Problematik brauche ich wahrlich nichts zu schreiben, das ist ja nun zum journalistischen Gemeinplatz geworden (SpOn und SZOn). Die Süddeutsche versteckt allerdings kleine Gimmicks in ihrem Artikel. So würde ein Inlandseinsatz der Bundeswehr zum Beispiel akzeptabel, wenn es zu einem "Grußunfall" in einem AKW käme. Wär ja auch zu dreist, wenn die Atomlobbyisten plötzlich höflich grüßen würden! Da müsste sofort militärisch eingeschritten werden!
Google hat die "sprachlichen Feinheiten" auch erkannt "und Anzeigen auf den spezifischen Inhalt" des Artikels "abstimmt". Der Tornadoeinsatz ist also das zwingende Resultat von "Werteverfall Jugendliche", der sich wiederum nur stoppen lässt, indem man BRAVO verbietet... also doch nicht mit militärischer Gewalt?

Montag, 7. Mai 2007

Super-Sarko schlägt zu

Nun haben die Franzosen ja einen neuen Staatspräsidenten gewählt: Nicolas Sarkozy. Dass man bei 53 zu 47 Prozent der Stimmen schon von "großer Mehrheit" spricht, mag in Zeiten von großer Koalition verständlich sein. Aber es gibt immer noch genug Franzosen, die gegen diesen Westentaschen-Le Pen sind. Manche zeigen das auch so deutlich, dass man wohl Blauhelme schicken würde, wenn diese Wahl nicht in Europa stattfände.
Aber jetzt ist Super-Sarko nun mal Präsident und schon verspricht er den Franzosen das Blaue vom Himmel herunter: Die Arbeitslosigkeit soll bis 2012 auf 4,5% sinken, d.h. 1,4 Millionen neue Jobs müssen her. Und dass wird dadurch geschafft, dass im öffentlichen Dienst massiv Jobs abgebaut werden und die 35-Stunden-Woche aufgeweicht wird. Ähnlich logisch klingt die Energiepolitik: die Atomkraft bleibt unangetastet aber der Anteil der erneuerbaren Energien soll steigen - das geht dann ja nur, indem der Gesamtenergieverbrauch steigt. Hurrah!
Mehr als Super-Sarkos Hauruck-Parolen sorgen mich aber solche Kommentare dazu wie der von dondj1 zum Artikel in der SZ: "Ich glaube, dass ein erfolgreicher Reformkurs auch schmerzen bereiten wird. Gut ist nur, wer diese Schmerzen auch aushält." Es lebe der Sozial-Darwinismus!
Na dann gute Nacht!