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Montag, 3. März 2008

Play the Marseillaise, play it!

Gerade ergeht sich das ZDF wieder in deutschem Selbstmitleid und zeigt in einem ermüdenden Zweiteiler, wie unzählige unschuldige Flüchtlinge aus Ostpreußen vom bösen russischen U-Boot ersäuft werden (in guter Manier amerikanischer Kalter-Kriegs-Filme haben die Russen einen dicken roten Stern auf dem Torpedorohr eingeschmiedet, der kurz vor dem tödlichen Schuß in Großaufnahme gezeigt wird). Vorher wird aber noch dem Führer im Radio gelauscht und gemeinsam "Die Wacht am Rhein gesungen".

Sprachlos kann ich da nur noch zur kitschig-schönsten Szene der Filmgeschichte greifen... hier deswegen aus Rick's Cafe in Casablanca der Eurovision Song Contest 1942: Wacht am Rhein vs. Marseillaise

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Untergang des Abendlandes

Es ist soweit - die letzte (oder überhaupt einzige) Bastion des weltweiten unabhängigen Journalismus fällt:
Die altehrwürdige British Broadcasting Corporation, an deren Arbeit sich jede öffentliche Sendeanstalt messen lassen musste, muss in den nächsten sechs Jahren Mittelkürzungen von 2 Milliarden Pfund hinnehmen. Als Konsequenz davon werden u.a. 1800 Jobs gestrichen, die Nachrichtenredaktionen der einzelnen Sparten zusammengefasst und verkleinert und das Television Centre in White City soll verkauft werden.
Einziger Lichtblick bei dieser Katastrophe ist, dass der Worldservice weitgehend unberührt bleibt, weil er aus anderen Töpfen finanziert wird.

Vielleicht finde ich ja noch einen Weg, wie ich mich von der GEZ befreien und statt dessen meine Rundfunkgebühren in Großbritannien zahlen kann. Das würde nicht nur meinem Medienkonsum besser entsprechen sondern wäre auch eine deutlich sinnvollere Investition!

PS: wie man das im Web 2.0 so macht, habe ich direkt mal eine kleine Grafik gebastelt, die jeder Mittrauernde in seinen Blog-Sidebar setzen kann:

Dienstag, 25. September 2007

Antisemiten-Plugin?

Firefox ist ein toller Browser, man kann ihn mit Plugins endlos erweitern oder Wörterbücher installieren, die eine Word-artige Rechtschreibkorrektur bei Eingabefeldern bereitstellen, also z.B. wenn man einen Blog-Post schreibt.
So geschehen gestern, als ich mich vor Trauer über das Ableben Baudouins vertippte und statt Andenken "Nadenkne" schrieb. Ein Rechtsklick würde dies, so hoffte ich, schnell ins korrekte Wort verwandeln - aber siehe da, der einzige Verbesserungsvorschlag, den das Deutsche Wörterbuch 1.0.1 mir machte, war "Judenknecht"!
Nun frage ich mich: liegt es an den Schreibern dieses Plugins oder ist die deutsche Sprache per se einfach antisemitisch? Für meinen Geschmack jedenfalls ist diese Wörterbuch etwas zu deutsch.

Dienstag, 18. September 2007

Heiße Luft

...aus den Düsen eines Passagierjets ist das perfekte Ziel für wärmesuchende Luft-Luft-Raketen. Das freut besonders Verteidigungsminister Jung, der einfach mal aus heiterem Himmel erzählt, er werde entführte Passagierjets auch ohne Gesetzesgrundlage abschießen lassen, wenn sie als Waffe gegen Gebäude eingesetzt würden. Die fehlende Gesetzesgrundlage wird mit Berufung auf den "übergesetzlichen Notstand" von Jung übergangen. Aber einen Überverfassungs-Notstand gibt es nicht, und wie das Verfassungsgericht bereits letztes Jahr entschieden hat, kann auf Grundlage der Verfassung solches Flugzeugabschießen niemals legitim sein. Herr Jung ignoriert also ganz nonchalant die "freiheitlich-demokratische Grundordnung", die wir angeblich so rabiat gegen die Terroristen verteidigen müssen.

Auch auf der eher praktischen Ebene zaubert mir dieses entschlossene Vorgehen unseres Oberbefehlshabers ein Runzeln auf die Stirn: Woher weiß man denn, ob ein entführtes Flugzeug als Waffe eingesetzt wird? Hängen sich die Phantom-Jäger an die Schwanzflosse und warten, bis ein Hochhaus oder Atomkraftwerk vor dem Flieger auftaucht. Wenn dann geschossen wird, krachen die Entführer vielleicht ein paar Stockwerke tiefer ins Haus. Oder schießt man schon, wenn die Terroristen Kurs auf solche Ziele nehmen? Gerade rund um Mainhattan (und wo sonst sollte man in Deutschland ein 9/11-Spinoff inszenieren) liegen weite dichtbesiedelte Gebiete. Dann sehen wir vielleicht keine Bilder von einstürzenden Deutsche Bank-Twin Towers, sondern solche wie in Amsterdam oder Lockerbie.
Oder wird pauschal jedes entführte Flugzeug abgeschossen?
Nun, vielleicht stellt sich die Frage gar nicht erst. Denn getreu dem Motto "Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin" hat der Verband der Bundeswehrpiloten bereits Befehlsverweigerung für diesen Fall angekündigt.

Nicht nur wegen der zweifelhaften Umsetzung ist es vollkommen unerklärlich, warum Jung dieses Thema überhaupt aufkocht. Will er potentielle Selbstmordattentäter etwa mit der Aussicht auf einen gewaltsamen Tod abschrecken? Fat chance! Oder sollen sie die Wirksamkeit ihres Terrors bezweifeln, wenn sie es mit einer fliegenden Bombe nicht medienwirksam bis ins Finanzzentrum Deutschlands schaffen, sondern nur eine zufällig am Abschussort liegende Reihenhaussiedlung nebst Einwohner in ein rauchendes Loch verwandelt wird?
Klarer wird es, wenn man die fast zeitgleiche Warnung von unserem rollstuhlfahrenden Menetekel Wolfgang Schäuble vor Atom-Terrorismus (ebenso aus der Luft gegriffen), mit in die Rechnung nimmt: Offenbar muss mal wieder dass Angstgefühl in der Bevölkerung geschürt werden, damit all diese "Antiterror-Maßnahmen" wie Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung, Foto-Fahndung usw. von uns willfährig abgenickt werden.
Da reichen subtile Mittel nicht mehr, rhetorische Nullnummern wie die vom Auswärtigen Amt ("Die weltweite Gefahr terroristischer Anschläge besteht fort.") machen einfach nicht genug Angst, da muss der Holzhammer ran.

Und wer da immer noch nicht genug Angst hat, ist bestimmt selber Terrorist. In diesem Fall zur Selbstanzeige bitte hier klicken.

Freitag, 7. September 2007

Geschafft: IKEA aus Google verdrängt!

In meinem Kreuzzug gegen IKEA konnte ich jetzt mit Google einen mächtigen Verbündeten gewinnen: eine Suche nach "ikea lieferung frei haus" liefert nicht nur meinen letzten Beitrag unter den ersten zehn Hits, sondern auch noch vor dem ersten IKEA-eigenen Treffer!

Montag, 27. August 2007

Keine Rotfront bei IKEA

Eigentlich möchte ich einen Eintrag schreiben, der bei Google unter "IKEA Lieferung frei Haus Sprengstoffgürtel Geiselnahme Massaker" auftaucht - aber wahrscheinlich ist mein Blog bei Google noch nicht mal aus der Sandbox raus, so dass ich auch die ganze Leidensgeschichte erzählen kann:

Im März habe ich meine Küche renoviert und wollte es (mit finanzieller Unterstützung des Vermieters) mal so richtig krachen lassen: also bei IKEA in Heerlen durchgehende Eiche-Vollholz-Arbeitsplatte und Faktum-Schränke mit Hochglanz-roten Abstrakt-Fronten sowie solch luxuriöse Gimmicks wie eine Dunstabzugshaube gekauft … dachte ich.
Die rote Schranktüren und die Abzugshaube waren nämlich nicht vorrätig. Mir wurde aber angeboten, sie frei Haus nach Aachen zu liefern, das werde maximal drei Wochen dauern. Bezahlen musste ich aber schon im Voraus, da wegen Bankkarteninkompatibilitäten (tolles vereintes Europa!) irgendwie keine getrennte Rechnung mehr geschrieben werden konnte.

Drei Wochen später war natürlich nichts passiert. Leider gibt es bei IKEA online keine Kontaktformular, keine Emailadresse, und die Hotline hat ein sprachgesteuertes Menü – niederländisch, versteht sich. Als Nicht-Autobesitzer habe ich mir also ein Lift nach Heerlen organisiert um dort dann zu erfahren, das IKEA Heerlen mit der Sache nichts mehr zu tun hat, sondern die Sachen jetzt bei einer Spedition in Eindhoven liegen. Da meine Telefonnummer falsch notiert worden war, konnten die mich natürlich nicht erreichen. Diesen Misstand hat IKEA trotz Zusage nicht behoben, sodass erst ein Brief der Spedition mir deren Telefonnummer verriet und Kommunikation möglich wurde.

Von Lieferung war da aber noch nicht die Rede – man werde sich melden, wenn die Sachen zur Lieferung bereit stünden. Wochen vergingen und als ich schließlich fast täglich in Eindhoven anrief (das ging im Unterschied zur IKEA-Hotline auch mit Billig-Vorwahl), wurde mir endlich die Abzugshaube geliefert. Die roten Frontplatten sollten baldmöglichst nachkommen…
Da ich von van Spreuvel aus Eindhoven nie wieder was gehört habe, wäre es da schon längst Zeit gewesen zu fragen "Where's Bud Spencer When You Need Him?". Ich bin aber schließlich wieder nach Heerlen (dank sei all den verständnisvollen Fahrzeughaltern in meinem Freundeskreis) gefahren. Die Damen am Serviceschalter gaben sich sichtlich geschockt, dass ich schon drei Monate nichts geliefert bekommen hatte und veranlassten einen Suchauftrag bei der IKEA-Zentrale. Mir wurde sogar eine Telefonummer gegeben, wo ich mich notfalls erkundigen könne, aber innerhalb von Wochenfrist werde alles geklärt sein.

10 ruhige Tage später rief ich dann doch mal die Nummer an und hatte richtige Menschen am Apparat, keinen Sprachroboter und kein indisches Callcenter! Die Suchstelle war so klein und persönlich, dass sogar die wichtige Person in Mittagspause war und mich nach ½ Stunde tatsächlich zurückrief (also hatten sie meine Telefonnummer) und versprach, mir bis Ende der Woche einen definitiven Liefertermin zu nennen. Von so viel Aktionismus regelrecht überrollt, war ich sicher: jetzt bewegt sich was. Leider begann langsam die Ferienzeit, und aus Italien mit deutschem Handy nach Holland zu telefonieren war mir etwas zu dekadent, man hätte mich aber problemlos erreichen können. Wieder in Aachen rief ich dann noch zweimal bei der zentralen Suchstelle an. Leider hatte die sich inzwischen in ein Callcenter verwandelt, wo mir jedes Mal teilnahmslose Studentenjobber versicherten, ich würde in den folgenden Tagen zurückgerufen.

Dass das nie passierte, brauche ich wohl nicht mehr zu erwähnen. Also habe ich mir wieder ein Auto organisiert, um nach Heerlen zu fahren. Leider reichte die Zuladung nicht, um die Tsar-Bombe, die ich vom BotB noch im Keller habe, zu Ikea zu schaffen, und die Bauanleitung für den Sprengstoffgürtel habe ich mangels Arabisch-Kenntnisse nicht verstanden…wo sind die technischen Redakteure, wenn man sie braucht?! Ich habe es aber auch so geschafft, den Servicekräften bei IKEA zu verklickern, dass ich diesmal nur mit Schranktüren oder mit Geld den Laden verlassen würde.
Die roten Türen hatten sie natürlich nicht da, die könne man aber bestellen, die seien in einem Zentrallager in Dortmund. Nein, bestellt wird nicht mehr. Ich könne einen Gutschein bekommen. Nix da, Geld oder Türen, oder eine Kombination aus beidem. Aber das sei ja schon über 5 Monate her. Ja, weil mich hier alle Leute dauernd verarscht haben! (was heißt das auf Holländisch?) 2 Stunden, 3 Warteschlangen und 7 IKEA-Mitarbeiter später hatte ich dann schließlich meine Türen, sogar in Hochglanz – aber weiß. Ich glaube inzwischen, diese roten Frontplatten für die Küchenschränke gibt es gar nicht – na ja, vielleicht bei IKEA Belgien. Egal. Blöd nur, dass Aachen auf der Leeseite von Heerlen liegt – wir würden die Falloutwolke ja voll abbekommen.

Hier also nun die empirisch ermittelten 5 Tipps für IKEA-Kunden:

  1. Kaufe niemals bei IKEA ein

  2. Falls doch, lass dir niemals etwas von IKEA liefern

  3. Falls doch, zahle nie im voraus

  4. Falls doch, halte einige Zentner Kunstdünger und Zucker sowie Zündkapseln bereit

  5. Besser noch: kapere ein Raketen-U-Boot der Ohio-Klasse. Die 192 Thermonuklearsprengköpfe an Bord sollten reichen, um sämtliche IKEA-Filialen und –Lager in Europa auszuschalten. Die U-Boote ankern hier und hier.

Dienstag, 10. Juli 2007

Geistiges Eigentum

Auf jeder teuer gekauften DVD wird man erstmal als Raubkopierer beschimpft, Kinokarten kosten über 7 Euro - aber all das nimmt man gerne in Kauf um an der unermüdlich sprudelnden Kreativität der großen Filmstudios teilzuhaben, die uns ständig neue, noch nie dagewesene Filmerlebnisse bescheren, wie ein Blick ins aktuelle Kino-Programm zeigt:
  • Hostel 2
  • Fluch der Karibik 3
  • Shrek der Dritte
  • Stirb Langsam 4.0
  • Harry Potter 5
  • Ocean's 13
Und schon sieht man sich als ahnungsloser Kinogänger mit einem juristischen Dilemma konfrontiert: Denn "das Urheberrecht schützt geistige und künstlerische Leistungen" (WP) - greift es bei Abwesenheit solcher Leistungen dann überhaupt noch?

Donnerstag, 24. Mai 2007

Prioritäten-Pilz, die 2te

Auch Google bietet jetzt einen Übersetzungsdienst, der auch gleich noch Suchergebnisse zur Übersetzung liefert. Trotz aller Konkurrenz ist der neue Dienst sich aber mit dem Platzhirsch Babelfish einig: preemptive nuclear strike ist gleich mushroom of priority (wir berichteten).
Aber jetzt werde ich Bunny erst mal meinen ganzen Blog zu lesen geben...

Freitag, 11. Mai 2007

Eben (E)ma(e)l über die Grenze...

Ein kleine Nachschlag zu einem gestrigen Eintrag meiner Gedenkstätte 2.0, nämlich die Erstürmung des belgischen Forts Eben-Emael durch deutsche Truppen als Auftakt zum Westfeldzug der Wehrmacht.
Berühmtheit hat dieser Überfall v.a. deswegen erlangt, weil das Fort, was als eines der größten und modernsten in Europa galt, innerhalb von 15 Minuten von deutschen Truppen, die per Lastsegler gelandet waren, außer Gefecht gesetzt wurde. Da das Fort von Aachen nicht weit weg ist, habe ich für Interessierte auch zur Homepage des Forts verlinkt.
Offenbar will man dort jetzt besonders Kindern die Geschichte nahe bringen - ob man als Maskottchen aber unbedingt einen in Mainzelmännchen-Manier lächelnden Geschützturm nehmen musste...
Na ja, macht euch selbst ein Bild (oder zwei):